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1. BEAK-Treffen vom 26.02.2015

 Zum ersten Treffen in diesem Jahr fanden sehr viele interessierte Eltern, Erzieher/innen, Vertreter/innen von Kitas und Trägern den Weg in den Rathaussaal. Das Thema „Betreuungsschlüssel“ war dazu auch sehr passend gewählt. Als Gast begrüßten wir Frau Schröter von der Kita-Aufsicht in Berlin, die bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft angegliedert ist.

Zunächst stellte Herr Heise die Ergebnisse der BEAK-Umfrage zum Betreuungsschlüssel von 2014 vor. Hier kam eine durchaus hohe Abwesenheitsquote der Erzieher zutage.

beak 2015-02-26 umfrage

Frau Schröter begann ihren Vortrag mit der Vorstellung der Arbeit der Kita-Aufsicht in Berlin. Zu den obersten Aufgaben der Kita-Aufsicht zählt der Kinderschutz, der vor allem präventiv durch Prüfung von Kita-Konzeptionen einschließlich des Personalkonzeptes vor Öffnung einer Kita überwacht wird. Vor einer Kita-Eröffnung wird ebenfalls geprüft, ob der Träger der Kita genügend Fachpersonal für die geplante Anzahl an Kita-Plätzen vorhält. Dabei ist es aber möglich das Fachpersonal mit der Anzahl an Kindern wachsen zu lassen. Die Kita-Aufsicht hat außerdem ein Mitspracherecht bei der Einstellung von Leitungen in den Einrichtungen, dies gilt auch für zwischenzeitliche Änderungen ab Eröffnung einer Kita.

Derzeit sind 11 Mitarbeiter/innen der Kita-Aufsicht für 2483 Kitas in Berlin zuständig.

Frau Schröter erläutert kurz die Berechnungsgrundlagen zum Personalschlüssel. Neben dem Alter und dem Betreuungsumfang gemäß Kita-Gutschein spielen auch noch mögliche Zuschläge für einen Integrationsstatus und für den Sozialraum eine Rolle. Personen in der berufsbegleitenden Ausbildung dürfen mit max. 28 Stunden auf den Personalschlüssel angerechnet werden. Der Personalschlüssel enthält 5% für Urlaub, Fortbildung und Krankheit.

Die Kita-Aufsicht führt einmal jährlich eine Stichtagsabfrage aller Berliner Kitas ab. Im Jahre 2014 gab es teilweise erhebliche Abweichung von ca. 10% zum vorhandenen Soll. Gründe dafür waren z. B. Erkrankungen, der Schwangerschaften und Arbeitgeberwechsel. Eine weitere automatische Prüfung der Kitas im laufenden Betrieb findet nicht statt. Ein möglicher Grund ist, dass die Auswertung dieser Daten per Hand erfolgt, da es bisher noch computergestützte Automatisierung gibt. Die Personalhoheit für die Fachkräfte liegt bei den Trägern von Kitas.

Eine kurze Rückmeldung durch die Anwesenden ergab, dass in Berlin viele Erzieher/innen ausgebildet werden, aber durch die ungenügende Bezahlung in andere Bundesländer abwandern. Die Forderung nach besserer Bezahlung ist ein Bestandteil des LEAK-Forderungspapiers das Herr Heise nach dem Vortrag vorstellte. Frau Fiebig ergänzte hier, dass unser Bezirk durch seine Randlage zu Brandenburg und der dort besseren Bezahlung Probleme hat.

Im weiteren Verlauf ihres Vortrages führte Frau Schröter aus, dass die Kita-Aufsicht nicht die erste Anlaufstelle für Elternbeschwerden ist. Es sollte eine Beschwerdekette eingehalten werden: Die Beschwerdekette ist in etwas wie folgt: die/der Erzieher/in der Gruppe, die Kita-Leitung, der Elternausschuss der Kita, der Träger, der Elternbeirat des Trägers, der Bezirkselternausschuss Kita und das Jugendamt. Können die Probleme auf diesen Ebenen nicht geklärt werden, ist die Kita-Aufsicht der richtige Ansprechpartner. Wenn es zu einem Beschwerdeverfahren in der Kita-Aufsicht z.B. durch Elternbeschwerden kommt, wird eine Stellungnahme zu Fall beim Träger eingefordert. Der Träger gibt eine entsprechende Rückmeldung an die Kita-Aufsicht. Die Kita-Aufsicht prüft die Stellungnahme und gibt eine entsprechende Rückmeldung an die Eltern. Dieses Verfahren dauert im Moment bis zu 10 Wochen. Sollten sich Beschwerden bestätigen, kann die Kita-Aufsicht verschiedene Maßnahmen aussprechen oder in letzter Konsequenz auch Kitas schließen.

Im Fall von Kindeswohlgefährdung kann die Kita-Aufsicht auch direkt angesprochen werden. Die Reaktionszeit ist hierbei deutlich kürzer und die Kita-Aufsicht steht in diesen Fällen direkt am gleichen oder nächsten Tag unangemeldet vor der Kita und prüft entsprechende Meldungen.

Frau Schröter erläuterte weiterhin, dass in Berlin nur staatlich anerkannte Erzieher/innen als Fachkräfte für die Arbeit Kindern gelten. Es sind auch Anerkennungen aus anderen verwandten Berufsgruppen möglich. Diese Anerkennung sind jedoch individuelle Einzelfallentscheidungen.

Ein weiterer wichtiger Punkt aus dem Vortrag war die Information, dass es immer mindestens zwei Erwachsene geben muss, die auf eine Gruppe achten. Eine Person muss ein/e Erzieher/in sein. Die zweite Person darf auch eine Wirtschaftskraft der Kita, Eltern oder Personen im freiwilligen sozialen Jahr (FSJler) sein.

Frau Schröter sensibilisierte die Anwesenden für das Spannungsfeld Personalplanung und Ausfälle. Ausfälle verlangen von der Kita-Leitung ein hohes Maß an Kreativität bei der Personalplanung. Eine hohe und dauerhafte Ausfallquote entsteht beispielsweise durch eine Schwangerschaft, da bei diesem erfreulichen Umstand ein direktes Beschäftigungsverbot aus gesundheitlichen Gründen ergeht. Um Personalengpässe aufzufangen, muss sich der Träger z. B. bemühen Ersatzpersonal aus einen Kita-übergreifenden Personalpool oder von Zeitarbeitsfirmen zur Verfügung zu stellen. Es besteht auch die Möglichkeit Gruppen zusammenzulegen. Auch die Kita-Leitung kann im Bedarfsfall in die Gruppen gehen. Wenn es „hart auf hart“ kommt, ist es in Ordnung, wenn Eltern - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - gebeten werden ihre Kinder später zu bringen und früher zu holen. Es ist ebenfalls möglich, wenn Eltern - wie oben beschrieben - in der Kita bei der Betreuung der Kinder zu unterstützen.

Zum Thema Kinder mit Integrationsstatus gab es von Frau Schröter den Hinweis, dass ein I-Status sofort der Kita gemeldet werden sollte. Da Kinder mit einem I-Status das Recht auf Eingliederungshilfe haben, sollte jede Kita eine/n Integrationserzieher/in vorhalten. Wenn ein/e Erzieher/in eine Fortbildung mit Schwerpunkt Integration beginnt, gilt sie/er faktisch als Integrationserzieher/in.

Der Personalschlüssel liegt in Berlin bei Kindern unter drei Jahren bei durchschnittlich 1:6,6. Damit sind wir bundesweit Schlusslicht. Die Politik hat dieses Thema jetzt erkannt und möchte nachbessern.

 

Unser nächstes Thema war die Vorstellung der Petition für eine/n Kinderbeauftragte/n im Deutschen Bundestag. Dazu ging eine Unterschriftenliste herum mit dem Hinweis auf die Internetseite und die Online-Petition.

 

Nun stellte sich der neu gewählte Vorstand vor und präsentierte die Jahresplanung für 2015. Zudem gab Herr Heise den Ausblick auf die kommenden Themen für die BEAK-Treffen in diesem Jahr. DaBEI werden wir uns mit den Themen „Ernährung der Kinder“, „Übergang von Kita zu Schule und dem neuen Stichtag der Einschulung“, „Gewaltprävention“ sowie dem „Medienkonsum“ beschäftigen.

 

Bei den Berichten aus der Gremienarbeit stellte Herr Heise das Forderungspapier des LEAK vor, welches nun auf der LEAK-Seite unterstützt werden kann. An diesem Punkt kamen nochmals Diskussionen zum Betreuungsschlüssel und der Bezahlung der Erzieher auf. Die Forderung nach mehr männlichem Personal in Berlin wurde besonders unterstützt. In Berlin arbeiten 1,8 Prozent männliche Erzieher in den Kitas.

Aus der Spielplatzkommission gab es keine guten Nachrichten. So wurden alle geplanten Spielplatzsanierungen in diesem Jahr gestoppt. Lediglich die bereits angefangen Vorhaben werden umgesetzt.

Das nächste BEAK-Treffen findet am 16. April 2015 statt.

 

04.03.2015